früher so – heute so

Eine Polizeistation in Engelthal, drei Lebensmittelläden in Kucha und Hopfenanbau im Hammerbachtal? Was gab es alles im Hammerbachtal der 50er und 60er Jahre? Und wie sah damals das soziale Leben in den Dörfern aus?
Damit die Erinnerung daran nicht verloren geht, machen sich Luise Haas und Dagmar Leicht auf die Suche nach den Geschichten aus der nahen Vergangenheit. Sie interviewen Engelthaler, die sich noch gut an diese Zeiten erinnern können und gerne darüber berichten wollen. Wer mitmachen will, wendet sich bitte an Luise Haas, Tel. 09158/427, oder Dagmar Leicht, Tel. 09158/9289460.

Das Ammermeierhaus in Engelthal

Ammermeierhaus Engelthal

Ammermeierhaus
Engelthal

Das schmale, dreistöckige Wohnhaus im Ammergässle in Engelthal ist unmittelbar an die alte, hohe Kreuzgartenmauer gebaut. Das Baujahr selbst ist uns nicht bekannt. Vom Historiker Robert Giersch wissen wir jedoch, dass das Haus 1777 zur Pfistermühle gehörte und 1811 vom Schnitt-, Seiden- und Baumwollhändler Paul Omeis erworben wurde.

Am Palmsonntag 1950 ist es das Geburtshaus von Traudl Scharrer, die uns von ihrem Leben dort zusammen mit der Familie (Großeltern und Eltern) berichtet.  Das Haus war im Besitz der Oma mütterlicherseits. Sie war eine geborene Meier. Der Opa kam aus Offenhausen und heiratete sozusagen in dieses Haus ein.

Im Erdgeschoss des Hauses gab es zwei Zimmer. Eines war die Wohnstube. Gleichzeitig diente sie auch als Schusterwerkstatt für den Großvater. Sogar für die Schlachtschüssel wurde die Stube genutzt. Daneben lag die „schwarze Kuchn“ mit offenem Schlot zum Räuchern. Von hier aus wurde der Kachelofen in der Stube beheizt. Auch ein Waschkessel fand noch Platz in dem kleinen fensterlosen Kämmerchen. Rechts von der Haustür war dann die eigentliche “Küche„. Als Einrichtung gab es einen Herd, ein „Schränkl“ und einen Tisch. Gespült wurde in einer Schüssel. Später kam dann ein Tisch mit zwei Spülschüsseln dazu. Am Wochenende wurde in der Küche die Badewanne aufgestellt und gebadet. Über eine Falltüre kam man von hier aus in den Gewölbekeller, in dem Kartoffeln und Rüben lagerten. Eine weitere Brettertür führte direkt von der Küche aus in den Kuhstall. Dort waren 1 bis 2 Kühe, Stallhasen und zeitweise auch Zwerghahn und- henne untergebracht. An dem Kuhstall war ein Schweinestall angebaut. Dann folgten ein Trockenklo und als letztes ein Abstellraum für das Fuhrwerk.

Ammermeierhaus heute

Ammermeierhaus heute

Im 1.Stock gab es zwei Schlafkammern für die Grosseltern und Eltern von Traudl. Traudl selbst schlief mit in einem dieser Räume. Im obersten 2 .Stock war das schönste und hellste Zimmer, das als Lagerraum für Leder, Äpfel und die Räucherwaren genutzt wurde. In dem hinteren Teil des Stockwerkes wurde das Heu mit der „Hollmmaschine“zerkleinert und von dort aus verfüttert.  Gegenüber vom Stall in der schmalen Gasse gab es einen Hühnerstall und einen Pflanzgarten für die Selbstversorgung mit Gemüse. Der Misthaufen lag direkt gegenüber des Hauseinganges.

In Richtung Hauptstrasse, getrennt vom Wohnhaus durch ein kleines Gässchen, liegt ein weiteres kleines Haus, das früher als Milchhäuschen genutzt wurde. Das Kühlaggregat war so laut das man es im Wohnhaus hören konnte. Und obwohl die Großfamilie sehr beengt wohnte, berichtet Traudl Scharrer von einer schönen Zeit im und vor dem Haus und in der Gasse.

Durch das Milchhaus kamen früh und abends die Dorfbewohner zur Milchabgabe und es war immer viel los. Tagsüber war meistens nur der sehr nachsichtige Opa daheim und so konnte Traudl sich mit ihren Freundinnen austoben. Auch die Besuche beim Opa als Schuster brachten viele Neuigkeiten und Abwechslung mit.

Im Jahr 1963 zog die Familie in ein neues Haus. Oma und Uroma väterlicherseits zogen nun hier in das Haus am Ammergässl. Anfang der siebziger Jahre wurde das Haus verkauft und die Oma zog in das neue Haus mit ein. Ab diesem Zeitpunkt verfiel das Haus zusehends.

Im Jahr 2000 erwarb die Gastwirtfamilie Schwab aus Engelthal das ganze Anwesen. Wo sich der Hühnerstall und der Pflanzgarten befanden, entstanden schöne große Konferenzräume. Die Renovierung des alten Hauses erwies sich als schwierig, da es unter Denkmal­schutz steht. Es wurde behutsam und liebevoll vorgegangen und es entstand ein richtiges Schmuckstück.

Es gibt nun im Erdgeschoss, und durch eine Außentreppe zu erreichen, im 1. Stock und 2. Stock, sehr schöne Hotelzimmer im rustikalen Stil. Es wurden teilweise alte Balken erhalten.

Auch außen bekam das Haus einen neuen Anstrich und das Dach wurde erneuert. Das Ammergässle an der Kreuzgartenmauer ist mit neuem Pflaster und einer Sitzgruppe außerdem ein Hingucker für die Engelthaler und ihre Gäste.

(Verfasserinnen: Luise Haas und Dagmar Leicht, 2015)

 

Das Milchhäusle von Engelthal

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Im Jahr 1933 wurde in Engelthal eine Milch und Rahmliefergenossenschaft mit 81 Mitglieder gegründet.Die Mitglieder hatten insgesamt 226 Stück Milchkühe, wobei die höchste Zahl von 4 Lieferanden 6 Milchkühe waren.

Betreut wurde die Genossenschaft durch den Milchlieferungsverband Franken.

1935 erfolgte der Beitritt zum , Bayer. Landesverband ldw. Genossenschaften -Raiffeisen“.

1936 kaufte die Genossenschaft den Gewölberaum von dem kleinen Haus ,das im Ammergässle direkt an die Kreuzgartenmauer gebaut ist. Dort war früher das Kohlenlager der Schmiede von Stefan Keilholz .Von da an wurde es das Milchhäusle genannt.

Täglich lieferten früh und abends zu festen Zeiten die Mitglieder ihre frisch gemolkene Milch ab. Durch einer „Zentrifuge “wurde die Milch in Rahm und Magermilch getrennt. Die Magermilch wurde wieder mit nach Hause genommen und an die Tiere verfüttert. Der Rahm wurde gewogen und das Ergebnis in einem Büchlein dem Lieferanten gutgeschrieben. Monatlich gab es dann das Milchgeld. 1947 wurde die Rahmherstellung verboten, um die Bevölkerung mit Frischmilch versorgen zu können.

1968 erfolgte die Auflösung der Milchlieferungs-Genossenschaft und wurde umgewandelt in eine Milcherzeuger -Vereinigung. Zu dieser Zeit waren es noch 67 Lieferanten.

1989 wurde die Milchsammelstelle stillgelegt, die Milch wird seither mit großen Milchtankautos direkt beim Erzeuger abgeholt.

Zur Zeit gibt es in Engelthal nur noch zwei Milcherzeuger.

1990 beschlossen die Mitglieder die Auflösung der Milcherzeuger-Vereinigung.

1991 erwarb Georg Hirschmann , in dessen Besitz das Häusle war, den Raum wieder ,renovierte es liebevoll und benutzt es seither als Lagerraum.

(Zusammengestellt von Luise Haas)